Warum (ich glaube, dass) ein guter Designer ein guter Denker ist

Während meiner Gespräche mit namenhaften Designern wie Automobildesigner Gorden Wagener, Industriedesigner Hartmut Esslinger oder Grafik- und UX Designern verschiedener Werbeagenturen, wurde schnell deutlich, dass es in der Welt des Designs nicht um ein einfaches „Gefällt mir“ oder „Gefällt mir nicht“ geht. Denn meiner Meinung nach sind gute Designer in erster Linie eins: ausgezeichnet gute Denker.

Dies ist mir auch während meines letzten Wochenendes in Zürich aufgefallen. Ich hatte mich treiben lassen und musste, auf einem Steg an der Limmat sitzend, über die Fragestellung nachdenken, was einen guten Designer ausmacht

Es geht nicht um „schön“ ist oder „nicht schön“!

Meiner Meinung nach ist es im Design in erster Linie egal, ob etwas „schön“ ist oder „nicht schön“, denn was am Ende zählt sind die Argumente, auf denen der Designer die von ihm gewählte Form- und Farbgebung stützt. Als guter Designer muss man in der Lage sein, grundlegende und wichtige Entscheidungen treffen und später auf nationaler sowie internationaler Ebene plausibilisieren zu können.

He thinks in terms of need and function. He is able to analyze problems, but his fantasy is boundless.

Laszlo Moholy-Nagy

Entscheidungen zu treffen ist Grundvoraussetzung guten Designs. Nicht mehr und nicht weniger. „Gefällt mir“ bzw. „Gefällt mir nicht“ ist lediglich ein Gefühl bzw. ein Urteil, das keiner sachlichen Argumentation standhält. Dementsprechend hat es auch nichts mit gutem Design - außer vielleicht im Modedesign - zu tun. Denn ein guter Designer verkauft kein Gefühl, sondern eine professionelle Dienstleistung, die nicht in Verbindung mit dem eigenem Geschmack stehen darf.

Das ist es auch, was gute Designer schon während ihrer Ausbildung oder ihres Studiums gelernt haben. Sie wissen, wie man Kundengespräche in die richtige Richtung lenkt und wie man dahingehend die richtigen Fragen mit „Warum?“ oder „Was ist, wenn“ stellt. Warum ausgerechnet dieser Farbton? Warum sollte die Entscheidung auf diese und nicht die andere Form fallen? Oder was wäre, wenn der Button eckig anstatt rund gestaltet werden würde?

Es geht darum, sich und seine Arbeiten aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Mit anderen Worten, ein guter Designer ist ein guter Denker. Im Laufe der Zeit hat er gelernt sowohl seine Handlungs-, als auch seine Denkweise immer wieder in Frage zu stellen. Er hat seine eigenen Verhaltensmuster identifiziert und weiß, wie diese ihn in seinem Beruf unterstützen oder blockieren können. Er versteht es sogar, sich selbst und seine Arbeiten aus einer anderen Perspektive zu sehen.

Das ist es auch, was Laszlo Moholy-Nagy in seinem Schreiben über den bekannten US-amerikanischen Grafikdesigner Paul Rand deutlich macht:

He is an idealist and a realist using the language of the poet and the businessman. He thinks in terms of need and function. He is able to analyze his problems, but his fantasy is boundless.

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